14.09
Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung Dr. Martin Polaschek: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Bundesräte! Nach der Werbeeinschaltung der NEOS darf ich zum Thema zurückkommen. (Heiterkeit bei der ÖVP.)
Den Raum an Möglichkeiten, welche die Digitalisierung für uns alle öffnet, bringen wir mit konkreten Maßnahmen auf den Boden. Einige der Dinge, die gerade angesprochen worden sind, sind sehr wohl bereits im Angebot.
Ja, wir haben an den pädagogischen Hochschulen ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsangebot für Lehrerinnen und Lehrer eingerichtet. Dieses Angebot wird verstärkt wahrgenommen. Es gibt sehr viele Angebote, auch über Massive Open Online Courses, genau diese Dinge, die immer wieder gefordert werden.
Ja, es gibt bereits eigene Lernapps, es gibt immer mehr. Wir haben genau aus diesem Grund 100 KI-Pilotschulen in Österreich eingerichtet. Wir haben rasch reagiert, wir haben im kommenden Schuljahr über alle Schultypen, über alle Bundesländer verteilt 100 durch Expertinnen und Experten ausgewählte KI-Pilotschulen, an denen wir aktiv den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Unterricht prüfen. Das ist genau die Modernisierung, die wir vorantreiben. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)
Für Lernapps stehen bereits jetzt eigene Budgetposten über den Familienlastenausgleichsfonds zur Verfügung, damit in Ergänzung zu klassischen Schulbüchern auch vermehrt auf solche Unterrichtsmaterialien zurückgegriffen werden kann. Wir haben bereits ein eigenes Gütesiegel für solche Lernapps eingeführt, damit die Schulen auch wissen, auf welche Apps sie sich verlassen können.
Informatik in der Oberstufe ist ein wichtiges Thema. Die Lehrpläne dazu sind gerade in Überarbeitung. Es gibt bereits jetzt Informatik in der Oberstufe, und da sind, auch in Abstimmung mit Leuten aus der Praxis, gerade die nächsten Weichenstellungen in Vorbereitung.
Was tun wir jetzt? – Mit der vorliegenden Novelle werden Schulen entlastet, und wir schaffen auch in der Schulverwaltung moderne E-Government-Standards. Die elektronische Ausstellung von Schulzeugnissen wird möglich; sie wird freiwillig möglich, niemand muss es tun. Schulanmeldung und Schulwechsel werden einfach, ohne Suche nach Dokumenten und Papier gelöst. (Bundesrat Schennach: Das ist hervorragend!) Es gibt auch die freiwillige Möglichkeit – bisher war es nur ein Pilotprojekt –, den Schülerausweis, wie andere den Führerschein, am Handy zu haben. Das ist also eine massive Weiterentwicklung.
Was die vorwissenschaftlichen Arbeiten angeht: Ja, die vorwissenschaftlichen Arbeiten wurden in den letzten Jahren intensiv diskutiert. Es hat verschiedene Vorschläge gegeben, diese abzuändern. Schlussendlich kam jetzt auch noch aus einer Expertinnen- und Expertengruppe, die sich mit KI auseinandergesetzt hat, einstimmig – einstimmig! – die Aufforderung, die VWA in der jetzigen Form zu überdenken.
Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir genau in diesem Hause die Diskussion, oder ich hätte den Vorwurf bekommen: Alle wissen, dass gehandelt werden muss, warum tun wir nichts? (Zwischenruf des Bundesrates Schennach.) – Wir haben genau das getan. Alle haben gewusst, dass gehandelt werden muss. Ja, wir haben schnell gehandelt, aber wir haben gehandelt, und es gibt überhaupt keine Verwirrung. Ich weiß nicht, wo da Verwirrung sein sollte. Wir haben gehandelt, alle Schulen wurden umgehend, noch am Tag der Mitteilung, dass die Regierungsvorlage ins Parlament kommt, entsprechend informiert. Alle Schulen haben bereits die entsprechenden Handlungsanweisungen bekommen.
Ich kann Ihnen sagen, ich war bis inklusive letzter Woche auch schon in einigen Schulen, wo mich Direktorinnen und Direktoren darauf angesprochen und gesagt haben: Großartig, jetzt gibt es mehr Wahlmöglichkeit! Wir haben bereits die ersten Überlegungen von Schülerinnen und Schülern, die andere Arbeiten abgeben wollen, weil sie eben andere Talente haben, es muss nicht die vorwissenschaftliche Arbeit sein! – Das ist für mich schnell, das ist effektiv und das ist eine sinnvolle Modernisierung der Schulen. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)
Dort, wo es Sinn macht, sind wir bei den bestehenden, bewährten Modellen geblieben, etwa was die BHS-Diplomarbeiten angeht: diese haben sich bewährt, deshalb werden sie auch beibehalten. Anders bei den BMS-Abschlussarbeiten, wo es auch schon lange Kritik gegeben hat. Da haben wir nun auch die Möglichkeit, besser auf die Stärken der Kinder einzugehen. Deshalb halte ich dieses gesamte Paket für einen sehr, sehr wichtigen Schritt hin zu einer weiteren Modernisierung der Schule, und wir werden alles dafür tun, dass das auch in den nächsten Jahren so fortgesetzt wird. – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)
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